SERIE "BLACKBOX"

Lavierte Zeichnungen auf Papier · Format DIN A5

Die Serie BLACK BOX kreist um einen Körper von denkbar einfacher Gestalt und kaum erschöpfbarer Bedeutungsvielfalt: die schwarze Box.

Als hermetischer Kubus tritt sie auf, als Behälter, als Bühne, als Hindernis, als Last, als Monument, als abweisendes Gegenüber. Menschen nähern sich ihr, umstehen sie, tragen sie, besteigen sie, vermessen sie mit Blicken, Gesten und Projektionen. Sie scheint stumm – und wirkt doch, indem sie Verhalten hervorruft.

Der Begriff BLACK BOX verweist zunächst auf den technischen Flugschreiber: jenes Gehäuse, auf das man hofft, wenn etwas zerbrochen, abgestürzt oder unverständlich geworden ist. Die Black Box gilt in diesem Kontext als Speicher, als Träger verborgener Information, als Ort möglicher Rekonstruktion. Doch gerade sie selbst bleibt hier verschlossen. Sie verspricht Aufschluss und hält zugleich Distanz. Aus dieser Spannung heraus entfaltet sich diese Serie.

Darüber hinaus wird die BLACK BOX zum Sinnbild für jene letzten Fragen, die sich auch mit jedem Fortschrittssprung nicht erledigen. Sie wechseln ihre Gestalt, ihre Begriffe, ihre Modelle – aber nicht ihre grundsätzliche Rätselhaftigkeit. Leben, Bewusstsein, Identität, Freiheit, Schöpfung, Tod: Was sich umkreisen, befragen und beschreiben lässt, bleibt im Kern doch unabgegolten. Die Black Box steht hier für das Unaufgeschlossene, das sich unserer Verfügung entzieht und gerade dadurch Beziehung erzwingt.

In manchen Arbeiten dieser Serie erscheint sie wie ein erratischer Block: fremd im Raum, massig, irritierend, unbeweglich, einfach da. Ein Findling des Denkens und der Existenz. Menschen sammeln sich um ihn, nehmen Maß, versuchen Nähe, behaupten Distanz, laden ihn mit höherer Bedeutung auf oder tragen ihn weiter wie eine Fracht, die sie nicht selbst hervorgebracht haben. Die Box ist Objekt und Widerstand, Speicher und Projektionsfläche zugleich.

Formell lebt die Serie aus dem Gegenüber von strenger Geometrie und menschlicher Flüchtigkeit. Den klar umrissenen, kantigen Raumkörpern stehen weich verfließende Aquarellfiguren gegenüber, deren Individualität gerade aus ihrer diffusen Unschärfe erwächst.

Die wiederholte Setzung des Wortes BLACK BOX als Schriftzug, Rahmung oder Muster verschränkt Bild, Begriff und Zeichen. Darin klingt, lose adaptiert, auch Gertrude Steins berühmte Formel „a rose is a rose is a rose“ an: „a black box is a black box is a black box“. Sprache benennt – und macht das Benannte zugleich fremder.

So wird BLACK BOX zu einer kleinen Werkreihe über die Unruhe des Fragens, über den menschlichen Umgang mit dem Verborgenen und Unverfügbaren, über Speicher, Geheimnis, Projektion und unlösbare existentielle Rätsel: über das, was wir immer wieder umkreisen, obwohl wir es nie ganz erfassen können.

SERIE "10 X 10"

Aquarell auf Bütten · Format 10 × 10 cm

Die Serie 10×10 fächert sich aus einer klaren Setzung auf: 100 Aquarelle im Format von jeweils 10 × 10 cm auf Büttenpapier. Dieses Kabinettformat ist dabei nicht bloß äußere Setzung, sondern Teil des künstlerischen Konzepts. Es fordert Verdichtung, Präzision und Beweglichkeit; zugleich eröffnet es die Möglichkeit, Themen in rascher Folge und großer Vielzahl zu variieren, weiterzudenken und in immer neuen Bildfindungen auszuloten.

Ausgangspunkt der Reihe ist ein simples formales Ensemble: Bowling-Pin, Kegel, Halmapöppel und Bowlingkugel. Als Spielelemente erscheinen allesamt zunächst vertraut; in der Serie werden sie jedoch nicht nur als wiedererkennbare Gegenstände be-handelt, sondern auf ihre Möglichkeiten als bildnerisches Vokabular hin untersucht.

Sie erscheinen als Figuren, Zeichen, Konstellationen, Muster, Rhythmen, Farbfelder oder räumliche Impulse. Mal treten sie still und emblematisch auf, mal szenisch, mal ornamental, mal nahezu frei und abstrakt. So wird das Spiel nicht nur zum Thema, sondern zum Strukturprinzip der Arbeit selbst.

Gerade darin liegt der Kern der Serie: 10×10 zeigt nicht bloß Spielsituationen, sondern entwickelt das Spielen als ästhetische Methode. Wiederholung und Variation, Regel und Abweichung, Improvisation und Setzung treten dabei in wechselnde Beziehungen, aus ihnen entstehen immer wieder neue Konfigurationen.

Die Motive werden nicht einfach vorgeführt, sondern in immer neuen Verhältnissen erkundet: als soziale Konstellation, als stille Begegnung, als Landschaftselement, als Ornament, als Flächen-rhythmus oder als freie Spur. Auf diese Weise entsteht aus einem begrenzten Repertoire eine überraschend offene Bildsprache.

Das Aquarell ist auch für diese umfangreiche Serie ein exzellent geeignetes Medium. Seine Transparenz, seine farbige Leichtigkeit und die begrenzte Steuerbarkeit von Verlauf und Trocknung verleihen jeder Form eine eigene, nicht vollständig reproduzierbare Gestalt.

Gerade in der Verbindung von Regelhaftigkeit und Offenheit, von Wiedererkennbarkeit und Einmaligkeit, entspricht das Medium dem Grundgedanken der Serie. Kegel und Kugel bleiben verwandt und werden doch in jedem Blatt anders.

So wird die Serie 10×10 zu einer variantenreichen Werkreihe über das Spiel und das Spielen, über Form und Freiheit, über Wiederholung, Überraschung und kreative Spielfreude.

Die kleinen Formate verzichten bewusst auf den großen Auftritt und entfalten ihre Stärke stattdessen in Verdichtung, Beweglichkeit und Vielstimmigkeit. Ihr eigentliches Format liegt nicht in ihren Abmessungen, sondern in der Reichweite der Möglichkeiten, die sie eröffnen.